Der bauliche Zustand vieler Hochschulen in Deutschland wird den Anforderungen moderner Forschung und Lehre zunehmend nicht mehr gerecht. Zahlreiche Universitätsgebäude sind baulich veraltet und wurden über Jahrzehnte hinweg nur unzureichend modernisiert. Veraltete Hörsäle, sanierungsbedürftige Seminargebäude, ineffiziente Gebäudetechnik und technisch überholte Labore beeinträchtigen inzwischen nicht nur die Qualität des Studienalltags, sondern schwächen auch die zukünftige Leistungsfähigkeit des Wissenschaftsstandorts Deutschland.
Dabei handelt es sich nicht um vereinzelte Probleme einzelner Hochschulen, sondern um einen strukturell gewachsenen Sanierungsstau. Die Anforderungen an Hochschulen steigen kontinuierlich: Studierendenzahlen wachsen, Forschung wird technischer, Gebäude müssen energetisch leistungsfähiger und digital nutzbar sein. Gleichzeitig wurde vielerorts über Jahre hinweg zu wenig investiert.
Strukturen modernisieren, statt Investitionen auszubremsen
Der bestehende Sanierungsbedarf ist jedoch nicht allein Folge fehlender finanzieller Mittel. Ebenso problematisch ist ein System, in dem notwendige Investitionen häufig an langwierigen Zuständigkeiten und Verwaltungsabläufen scheitern. Hochschulen tragen die Folgen maroder Infrastruktur unmittelbar, können aber vielfach nicht eigenständig handeln, weil Bau- und Sanierungsmaßnahmen über staatliche Bauverwaltungen, ministerielle Genehmigungswege und komplexe Vergabeverfahren abgewickelt werden.
Zwischen identifiziertem Bedarf und tatsächlicher Umsetzung vergehen dadurch oft Jahre. Selbst dort, wo der Handlungsbedarf vor Ort längst eindeutig ist, fehlen Hochschulen die notwendigen Handlungsspielräume, um zeitnah reagieren zu können.
Wer öffentliche Mittel wirksam einsetzen will, darf deshalb nicht nur über zusätzliche Finanzierung sprechen, sondern muss zugleich die Strukturen reformieren, in denen diese Mittel eingesetzt werden.
Mehr Bauautonomie für Hochschulen
Die Jungen Liberalen Mittelfranken fordern deshalb, Hochschulen bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen des laufenden Hochschulbetriebs deutlich mehr Entscheidungsspielraum einzuräumen. Universitäten sollen solche Maßnahmen künftig eigenständig planen, priorisieren und beauftragen können, sofern keine übergeordneten sicherheits- oder haushaltsrechtlichen Gründe entgegenstehen.
Hochschulen kennen ihre baulichen Defizite im laufenden Betrieb selbst am besten. Dort, wo täglich gelehrt, geforscht und gearbeitet wird, lässt sich am zuverlässigsten beurteilen, welche Maßnahmen Priorität haben. Es ist nicht sachgerecht, wenn selbst funktional überschaubare Sanierungen an langwierigen Verwaltungswegen scheitern, obwohl der Bedarf vor Ort längst feststeht.
Mehr Bauautonomie bedeutet dabei keine Aufweichung staatlicher Kontrolle, sondern eine effizientere Verteilung von Verantwortung.
Zur Finanzierung von Hörsaalbaumaßnahmen befürworten wir ausdrücklich die Möglichkeit des Hörsaal-Sponsorings
Verfahren beschleunigen, Modernisierung ermöglichen
Neben der Zuständigkeitsfrage ist die Dauer öffentlicher Bauverfahren ein zentrales Hindernis. Hochschulbauprojekte werden häufig durch Planungs- und Vergabeverfahren verzögert, die über Jahre hinweg Kapazitäten binden.
Planungs- und Vergabeverfahren im Hochschulbau müssen deshalb deutlich vereinfacht werden. Wiederkehrende Bauformen und standardisierbare Maßnahmen sollen künftig schneller umgesetzt werden können. Vergabeverfahren sind insbesondere dort zu vereinfachen, wo Umfang und Komplexität eines Projekts keine jahrelangen administrativen Prozesse rechtfertigen.
Finanzielle Eigenverantwortung stärken
Zusätzlich benötigen Hochschulen mehr finanzielle Flexibilität bei langfristigen Infrastrukturmaßnahmen. Universitäten sollen Investitionsmittel künftig überjährig bündeln und zweckgebundene Rücklagen für größere Bau- und Sanierungsmaßnahmen bilden können.
Gerade bauliche Investitionen lassen sich nicht sinnvoll innerhalb starrer jährlicher Haushaltslogiken organisieren. Wenn Mittel nur kurzfristig verfügbar sind oder am Jahresende verfallen, erschwert das eine wirtschaftlich sinnvolle Planung. Wer Hochschulen zu verantwortlichem wirtschaftlichem Handeln befähigen will, muss ihnen auch die Möglichkeit geben, langfristig zu planen.
Mehr finanzielle Eigenverantwortung erhöht dabei nicht nur die Planungssicherheit, sondern verbessert auch die Effizienz öffentlicher Investitionen.
Bildung priorisieren, Zukunft sichern
Strukturreformen allein werden den bestehenden Sanierungsstau jedoch nicht auflösen. Der bestehende Investitionsrückstand ist inzwischen so groß, dass zusätzliche Mittel notwendig bleiben. Deshalb braucht es neben strukturellen Reformen auch eine klare politische Priorisierung von Hochschulinfrastruktur.
Bildung und Wissenschaft gehören zu den zentralen Aufgaben des Staates. Investitionen in Hochschulen sind keine konsumtiven Ausgaben, sondern langfristige Zukunftsinvestitionen. Moderne Hochschulen stärken Innovationsfähigkeit, ziehen Fachkräfte an, erhöhen die Forschungsleistung und erzeugen damit volkswirtschaftlichen Nutzen weit über den Bildungsbereich hinaus.
Gerade deshalb ist es politisch nicht vertretbar, wenn staatliche Mittel zunehmend für neue Daueraufgaben gebunden werden, während die materielle Grundlage des Bildungssystems vernachlässigt wird. Ein Staat, der Forschungsexzellenz fordert, aber marode Hörsäle und veraltete Labore hinnimmt, setzt falsche Prioritäten und versagt in seiner Aufgabe kläglich.