Die deutschen Fankurven in Fussballstadien gelten europaweit als einzigartig. Sie sind Motor der Stimmung, tragen soziale Projekte, sammeln Spenden, organisieren Choreografien, setzen sich gegen Diskriminierung ein und sind damit ein elementarer Teil der Fußballkultur.
Gerade Ultras engagieren sich oft ehrenamtlich für ihren Verein und ihr Umfeld, doch ihre Arbeit wird gesellschaftlich häufig nicht gesehen oder pauschal kriminalisiert. Statt diesen zivilgesellschaftlichen Raum zu schützen, erleben Fans eine zunehmende Politik der Misstrauenskultur: Überwachungstechnologien, undifferenzierte Reiseeinschränkungen und reine Verbotspolitik bestimmen zunehmend die Debatte.
Die Jungen Liberalen Mittelfranken stehen klar für Freiheit, Eigenverantwortung und rechtsstaatliche Prinzipien, auch in den deutschen Stadien.
Unsere Haltung ist klar:
1. Keine Gesichtserkennung & keine flächendeckende Überwachung der Kurven
Konkret fordern wir:
• Ein Verbot von KI-basierter Gesichtserkennung, automatischer Verhaltenserkennung und ähnlicher Technologien in Stadien, da sie alle Fans unter Generalverdacht stellt und unverhältnismäßig tief in die Grundrechte eingreift.
• Ein Verbot von proaktiver, flächendeckender und speichernder Videoüberwachung von aktiven Fanbereichen („Kurven-Monitoring“) ohne konkreten Anlass. Eine Überwachung darf nur anlassbezogen und zeitlich begrenzt stattfinden.
• Auf Personalisierte Tickets zu verzichten. Sie sind mit einer freiheitlicher Fankultur unvereinbar, daher lehnen wir sie grundsätzlich ab.
• Lokale Stadionverbotskommissionen zu erhalten und zu stärken. Eine zentrale und bundesweite Kommission unter Innenministerhoheit lehnen wir ab.
• Stadionverbote erst nach Abschluss eines rechtsstaatlichen Ermittlungsverfahrens auszusprechen. Ein eingeleitetes Verfahren, eine Anzeige oder ein Verdacht dürfen keine Grundlage mehr darstellen.
• Einen verpflichtenden Transparenz- und Prüfmechanismus für jede Überwachungsmaßnahme in Stadien, inklusive Beteiligung von Fanprojekten, Verein, Datenschützern und Polizei.
2. Freies & Faires Reisen für Fußballfans — keine Kollektivverbote
Konkret fordern wir:
• Ein Verbot pauschaler Reise- und Betretungsverbote für ganze Fangruppen, egal ob in Deutschland oder im Ausland.
• Die garantierte Anwendung der EU-Grundfreiheiten (Dienstleistungs- & Personenfreizügigkeit) für Fußballfans. Daher darf es kein Ticketkaufsverbot allein aufgrund des Wohnortes und keine pauschalen Einreiseverbote für deutsche Fans in anderen EU-Staaten geben.
• Deeskalierende und verhältnismäßige Polizeibegleitungen anstatt Aufenthaltsverbote an Bahnhöfen, Autobahnen oder in Innenstädten.
• Mehr Freiheit statt Einschränkungen. Fans dürfen nicht ohne akute Gefahr oder konkrete Einzelfallbegründung an Weiterfahrt oder Einlass gehindert werden. Dies beinhaltet ein Verbot von langem Festhalten („Kesseln“) von Fans an Bahnhöfen, in Zügen und an Treffpunkten, sofern keine konkrete Gefährdung vorliegt.
• Eine bundesweite Leitlinie, die klar regelt, dass Maßnahmen gegen Individuen und nicht gegen ganze Fangruppen zu richten sind.
• Eine Stärkung der Fanprojekte als Ansprechpartner für Behörden, Städte und Vereine.
3. Ein legaler, sicherer und verantwortungsvoller Umgang mit Pyrotechnik
Die derzeitige Verbotsstrategie hat sichtbar versagt. Pyrotechnik wird weiterhin gezündet, nur illegal, unkontrolliert und dadurch gefährlich. Viele skandinavische Länder zeigen, wie es besser geht: Pyrotechnik wird dort durch die Fans selbst verantwortet, mit klaren Absprachen zwischen Kurve und Verein. Deshalb fordern wir konkret:
• Die Einführung eines „Skandinavischen Modells“ für Deutschland. Im Vorhinein zwischen Verein und Fans abgestimmte Pyrotechnik soll legalisiert werden. Die primäre Verantwortung liegt dabei bei den aktiven Fanszenen. Vereine und Fans schließen unbürokratische, kooperative Vereinbarungen über Zeitpunkt, Ort und Umfang von Pyroaktionen.
• Eine passive Rolle von Behörden. Behörden haben nicht die Aufgabe Fanaktionen zu genehmigen, sondern akzeptieren die Absprache zwischen Fans und Verein, solange Sicherheitsstandards eingehalten werden. Polizei und Ordnungsbehörden begleiten unterstützend, nicht kontrollierend.
• Einen sicheren Einsatz durch Eigenverantwortung. Der Einsatz soll nur durch geschulte und von der Kurve benannten Personen erfolgen. Die Legalisierung betrifft Bengalos und Rauch, aber ausdrücklich keine Wurfpyrotechnik.
• Entkriminalisierung statt Eskalation. Die Kriminalisierung der Fans durch das Pyroverbot endet. Illegale Einsätze gehen zurück und damit oftmals gefährliche Situationen ebenfalls.